Das Café Stella Polare ist ein Stück Wiener Kaffeehauskultur – nur eben mitten in Italien. Aber wie lässt sich diese besondere Atmosphäre digital erlebbar machen, ohne in touristische Klischees zu verfallen?
Im Rahmen meines Studienschwerpunkts durfte ich im letzten Semester ein Webdesign für das italienische Café Stella Polare entwerfen, das sowohl Desktop- als auch Mobilversion enthält. Der Fokus lag darauf, die traditionelle Bedeutung des Kaffeehauses hervorzuheben, während eine zu touristische Inszenierung bewusst vermieden wurde. Entstanden ist ein Design für eine mehrsprachige Website, die sowohl eine digitale Menükarte integriert als auch den Standort des Cafés leicht auffindbar macht.
Im ersten Projektschritt wurde das Logo des traditionsreichen Cafés nachgebildet. Dafür orientierte ich mich an der Hausfassade und rekonstruierte den Schriftzug in Illustrator mithilfe der Schriftart Copperplate. Da diese nicht ganz dem Original entsprach, aber am nächsten kam, habe ich einzelne Buchstaben weiter verfeinert, Abstände angepasst, die x-Höhe vertieft und die Buchstaben insgesamt etwas verbreitert.
Der ursprüngliche Schriftzug war mit zahlreichen kleinen Sternen versehen, die zwischen den Buchstaben saßen. Auf diese filigrane Verzierung habe ich in meiner Version bewusst verzichtet: Sie hätte die Lesbarkeit stark beeinträchtigt und wäre auf der Website ohnehin kaum sichtbar gewesen. Stattdessen habe ich den Gedanken aufgenommen und ein eigenständiges Stern-Symbol entwickelt, das als moderner Eyecatcher fungiert, ohne den Schriftzug zu überladen.
Bei der Farbauswahl habe ich bewusst mit einem Tabu gebrochen: Obwohl im Briefing die Verwendung der Farbe Rot ausgeschlossen war, habe ich mich in meiner Farbpalette bewusst dafür entschieden, um die traditionelle Architektur des Kaffeehauses zu betonen. In seiner Blütezeit verfügte das Café über eine Theke aus Kirschholz und diente als Treffpunkt zum Lesen und Diskutieren. Auch heute prägen das warme Rotbraun des Holzes sowie blaue und cremefarbene Akzente das Interieur. Genau dieses Zusammenspiel wollte auch ich im Webdesign übertragen, um ein konsistentes Markenbild zu erzeugen.
Die Wahl der passenden Schriftart spielt in meinem Design-Prozess eine zentrale Rolle, der viel Zeit und Überlegung gewidmet wird – so auch beim Stella Polare. Für die Headlines habe ich mich für eine klassische Serifenschrift entschieden, die an einen Gezeitenmesser erinnert und so sowohl die traditionelle als auch die maritime Seite des Cafés aufgreift. Im Kontrast dazu sorgt eine klare, geometrische Schrift im Fließtext für gute Lesbarkeit und Modernität.
Die Erstellung der Bildwelt stellte in diesem Projekt eine besondere Herausforderung dar, da nur auf unprofessionell fotografierte Bilder in mäßiger Qualität zurückgegriffen werden konnte. Diese Aufgabe war allerdings auch spannend, da ich versuchte, das Beste aus den Bildern herauszuholen und mit ihnen eine Stimmungswelt zu erzeugen. Hierzu wurde ein warmer, bräunlicher Fotofilter angewendet, der eine einheitliche Welt schafft, die sich gut in das Markenbild einfügt.
Das Ziel des Webdesigns war es, einen klaren und unkomplizierten User-Flow zu schaffen. Die Besucherinnen und Besucher werden zunächst in die Geschichte des Cafés eingeführt, um den traditionellen Charakter spürbar zu machen. Anschließend können sie das Menü durchstöbern, das in Getränke- und Speisekarte unterteilt ist. Tags erleichtern hier die Orientierung innerhalb der Kategorien. Ein besonderes Augenmerk lag auf der übersichtlichen Darstellung der Allergene, um Bestellungen so einfach wie möglich zu machen. Zum Abschluss finden sich die Kontaktdaten sowie eine großflächige Google-Maps-Einbindung, deren Farbgebung mithilfe eines Plugins an die Farbwelt des Cafés angepasst wurde.
Es war interessant, ein Projekt für eine Marke zu gestalten, die zwar außerhalb Österreichs ist, allerdings den Wiener Kaffeehaus Charakter widerspiegelt. Insbesondere Bildmaterial zu inszenieren, das nicht professionell entstanden ist, war eine Herausforderung. Hier wurde ein warmer, bräunlicher Fotofilter angewendet, mit dessen Hilfe ein einheitliches Bild geschaffen wurde.
Besonders spannend ist die Farbwahl, die sich an die Architektur des Cafés anpasst und so gleichzeitig ein kohärentes Erscheinungsbild schafft, dennoch ungewöhnlich in seiner Farbgebung für ein traditionelles italienisches Kaffee ist und wiederum ein Alleinstellungsmerkmal bietet.