Glotech revolutioniert die Art und Weise, wie wir verlorene Gegenstände wiederfinden. Dabei wird aus einem bloßen Technik-Gadget ein treuer Begleiter. Doch kann ein Tracker wirklich zum Freund werden?
Glotech ist ein Technik-Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Trackern und einer dazugehörigen App im Lost- and Found Business spezialisiert hat. Der Tracker fungiert hier nicht nur als nützliches Accessoire, sondern als persönlicher Assistent. Dabei galt es ein Branding zu entwickeln, das sowohl den technisch fortschrittlichen Charakter des Unternehmens widerspiegelt, aber den Tracker gleichzeitig auf freundschaftliche Art etabliert. Für die Umsetzung des Projekts wurde das untenstehende Prozessmodell angewandt.
Zunächst wurde ein Blick auf die Konkurrenz geworfen. Dabei wurden die Tracker der Marken Apple, Time und Nutale miteinander verglichen. Dabei wurden Elemente wie die übermittelte Botschaft, der visuelle Stil sowie Vor- und Nachteile identifiziert, um anschließend Vorteile zu schaffen, durch die sich Glotech von der Konkurrenz abhebt. Aus dieser Analyse ergaben sich die Ergebnisse der SWOT-Analyse.
Im Rahmen des Secondary Research konnten relevante Einblicke in die Branche gewonnen werden. Dabei recherchierte ich aktuelle Zahlen zum Lost-&-Found-Business in Wien, Österreich und international. Besonders spannend war, dass nur 30 % der verlorenen Gegenstände (Stand 2021) in den Verkehrsmitteln der ÖBB wiedergefunden werden und dass in Wien jährlich 84.000 Gegenstände verloren gehen (Mein Bezirk, 2023). Mit Trackern liegt die Erfolgsquote beim Finden allerdings bei 98 %, die durchschnittliche Suchzeit beträgt dabei eine Stunde (Hernández-Orallo et al., 2022). Bei Fundsoftware ist außerdem ein starkes Wachstum zu beobachten. Fluglinien und Hotels stellen hierbei die größte Kundengruppe dar (Business Research Insights, 2023).
Im nächsten Schritt wurde die Zielgruppe näher analysiert. Hierfür wurde ein Moodboard erstellt, um ein umfassenderes Verständnis für die Zielgruppe, ihre Bedürfnisse und Interessen zu gewinnen. Anschließend erfolgte eine Eingrenzung der Zielgruppe in Sinus-Milieus.
Um sich die Markenwerte bildlich besser vorstellen zu können, wurde auch eine Markenpersönlichkeit entwickelt. Sie ist männlich, 30 Jahre alt, lebt im urbanen Raum und pflegt einen aktiven Lebensstil. Die Persona ist designaffin und hat ein mittleres bis hohes Einkommen.
In diesem Schritt sollten die Kernwerte der Marke erforscht werden. Hierzu wurde eine Wertematrix verwendet, in der zunächst die Werte des Unternehmens, der Marke und der Nutzer*innen beschrieben wurden. Anschließend wurden übereinstimmende Werte gegenübergestellt, aus denen sich schließlich die Marken-Essenz aus den drei Werten Innovation, Kreativität und Freundschaft ergab. Diese Werte bilden die Grundlage für die inhaltliche und visuelle Gestaltung der Marke.
Nachdem die Konkurrenzanalyse abgeschlossen war, die Zielgruppe analysiert und die Markenwerte bestimmt worden waren, ging es an das Design. Zunächst wurde ein Moodboard erstellt, anschließend wurden erste Logo-Entwürfe mittels ABC- und Thumbnail-Sketching angefertigt. Dabei entstanden zwei visuelle Identitäten, von denen schlussendlich die modernere Variante weiterverwendet wurde.
Das Logo ist klar und minimalistisch gestaltet und vermittelt gleichzeitig einen subtilen technischen Charakter. Die Moderene, geometrische Schrift ist personalisiert, um den persönlichen Charakter zu unterstreichen. Das Icon in der Form eines G setzt sich aus der Form von zwei Trackern zusammen. Das Keyvisual kann als dynamischer Part immer wieder als Stilelement eingesetzt werden.
Die Farbwelt wird von einem kräftigen Lila dominiert, das durch ein ruhiges Dunkelgrau ergänzt wird. Zusammen ergibt sich eine moderne, kraftvolle Optik, die sowohl den innovativen als auch den persönlichen Anspruch der Marke unterstreicht und sich vom Wettbewerb abhebt.
Die Typografie besteht aus zwei Schriftarten: GT Flexa für Headlines, die markant und auffällig ist, sowie GT Pressura für Fließtexte, die klar und lesbar bleiben. Diese Kombination schafft eine harmonische Verbindung von technischem Charakter und menschlicher Nähe.
Die Bildsprache bildet einen bewussten Kontrast zu den kühlen Farben und der klaren Typografie. Sie setzt auf warme, satte Töne und einen leicht analogen Effekt, um Spontanität und Geborgenheit zu vermitteln. Menschen und Tracker werden in alltäglichen, persönlichen Momenten inszeniert.
Auf den Social Media Kanälen bekommen Follower*innen spannende Beiträge zum Thema Lost & Found und lernen Erfolgsgeschichten von Testimonials kennen. In Reels wird humoristisch von verlorenen Gegenständen erzählt. Zentral ist, Nähe darzustellen und die intime Beziehung zwischen Nutzer*in und Tracker in den Vordergrund zu stellen.
Schlussendlich ist auch ein Brand Manual für die Marke entstanden. Darin werden sowohl die Strategie als auch Varianten und Regeln für das visuelle Erscheinungsbild dargestellt.
Das Branding für Glotech zeigt, dass Technik nicht nur funktional, sondern auch emotional sein kann. Der Tracker wird nicht als reines Gadget wahrgenommen, sondern vielmehr als Freund und treuer Begleiter, der Vertrauen und Sicherheit vermittelt. Das Zusammenspiel aus innovativer Gestaltung und emotionaler Nähe schuf eine Marke, die visuell interessant ist, verbindet und begeistert.
Im Gestaltungsprozess war der Kontrast aus technischer Kälte und menschlicher Wärme besonders spannend. Diese beiden konträren Konzepte sorgten für eine interessante Gestaltung, die so bei vergleichbaren Produkten nicht wiederzufinden ist. Gerade die kleinen Details – wie die persönliche Inszenierung des Trackers oder die harmonische Verbindung aus Farben und Typografie – machen den Unterschied und sorgen für eine nachhaltige Verbindung zur Zielgruppe.