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typografie • schriftgestaltung • 2025

Charisma

Charisma ist eine elegante, moderne Schriftart, die für maximale Wirkung gestaltet wurde. Doch kann eine Anfängerin eine so detailreiche Schriftart überhaupt erfolgreich entwerfen?

Der Prozess

Die elegante, detailreiche und dennoch moderne Serifenschrift Charisma ist für Überschriften, Zitate oder kurze Texte konzipiert. Sie ist für eine maximale Wirkung gestaltet und entfaltet ihre Stärke in Überschriften, Zitaten oder kurzen Texten. Aufgrund ihrer zahlreichen Details ist sie außerdem die perfekte Wahl für einprägsame Logos.

Ausgangssituation

Bereits während meines Bachelorstudiums durfte ich eine Schriftart gestalten. Allerdings war diese fürchterlich. Sie hatte wackelige Linien, inkonsistente Strichstärken, ein eigenwilliges Spacing und unregelmäßiges Kerning. Sie war das perfekte Beispiel dafür, wie schwer es ist, Buchstaben in eine harmonische Form zu bringen. Noch dazu entschied ich mich bei meiner Schrift, ähnlich wie bei diesem Projekt, für eine Schriftart mit Serifen, deren Strichstärken stark wechseln. Auch beim zweiten Versuch wollte ich mich keiner geringeren Aufgabe stellen. Mein Ziel war es, einen technisch korrekten Aufbau der Buchstaben zu erlernen und meine Genauigkeit zu schärfen.

Workflow

Gleich zu Beginn gab es zwei große Stolpersteine: Zum einen war das Handling von Glyphs schwierig, zum anderen konnte ich Buchstaben nicht per Hand vorzeichnen. Deshalb musste eine andere Lösung her. Das Ergebnis? Ein doppelter Workaround. Dabei habe ich die Buchstaben zunächst in Illustrator vorgezeichnet und mithilfe von Referenzquadraten angepasst, bis sie für den Feinschliff in Glyphs bereit waren. Dort wurden die Pfade weiter optimiert. Im letzten Schritt habe ich die Buchstaben in verschiedenen Kombinationen getestet, um ihre Wirkung im Zusammenspiel zu überprüfen.

Glyphs

O und E

Ich begann die Gestaltung meiner Schrift mit den Großbuchstaben und orientierte mich dabei ständig an den Proportionen und der richtigen Anatomie der Buchstaben, wie sie im Buch „Design Type“ von Karen Cheng beschrieben werden. Die Reise startete mit dem O, das sowohl die Breite als auch die Strichstärke für alle anderen Großbuchstaben festlegte. Im Anschluss folgte das E, das eine zentrale Rolle bei der Gestaltung der geraden Buchstaben spielte und die Grundlage für ihre Formgebung bildete.

Runde Großbuchstaben

Besonders herausfordernd gestalteten sich die Buchstaben P, B und R, die durch ihre geschwungene Kurve auffallen. Die Welle dieser Buchstaben wollte einfach nicht die gewünschte, harmonische Form annehmen. Immer wieder war sie wackelig und ließ sich nicht in die eleganten Kurven verwandeln, die ich mir vorstellte.

Überarbeitung

Die erste Version der Buchstaben erschien mir noch zu gewöhnlich, was ich vermeiden wollte. Deshalb habe ich einige Buchstaben noch einmal radikal überarbeitet und mit ungewöhnlicheren Linienstärken experimentiert. Dadurch haben die Buchstaben mehr Charisma erhalten.

o und l

Die Gestaltung der kleinen Buchstaben begann ebenfalls mit dem o. Diese Buchstaben haben eine feinere Strichstärke als die Großbuchstaben, wobei die Stärke insbesondere durch das l und das o festgelegt wurde. 

e und a

Die Entwicklung der kleinen Buchstaben e, a und g gestaltete sich als besonders schwierig. Für jeden dieser Buchstaben benötigte ich fast einen ganzen Arbeitstag. Hier wurde viel getüftelt und ausprobiert. Besonders interessant ist das „a“, das völlig unerwartet entstand. Es orientiert sich stark am „e“ und greift dessen besondere Form wieder auf, was der Theorie widerspricht.

Spacing und Kerning

Besonders herausfordernd waren das Spacing und Kerning der Buchstaben. Beim Spacing konnte ich mich an den Proportionen aus meinem Buch-Guide orientieren, doch beim Kerning war leider Feingefühl gefragt, das trotz intensiver Arbeit nicht wirklich gelingen wollte. Hier fallen mir immer noch Buchstabenpaare auf, die ich gerne verändern würde.

Nach langer und intensiver Arbeit an der Schrift bin ich insgesamt stolz auf das Ergebnis. Mit der Wahl einer Display-Schrift mit vielen Details habe ich mir eine nicht ganz einfache Aufgabe gestellt. Einige Buchstaben, insbesondere das kleine g und das a, haben mich wirklich an meine Grenzen gebracht. Es war ein langer Prozess, bei dem ich immer wieder auf Schwierigkeiten stieß, besonders bei den Kurven, bei denen ich fast verzweifelt bin.

Die größte Herausforderung war definitiv das Kerning, mit dem ich nach wie vor nicht vollkommen zufrieden bin. Doch auch wenn ich noch nicht ganz zufrieden bin, zeigt diese Schrift meine Entwicklung. Während die Strichstärken und Linien in meiner ersten Schrift noch fürchterlich waren, ist das Ergebnis heute etwas ganz anderes. Nur das Kerning ist damals wie heute mein Schwachpunkt.

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